4. Februar 2019: „Aktion scharf“ – Statistik unscharf

Seit Monaten brüstet sich die österreichische Bundesregierung damit, mit Abschiebungen von Asylwerbern „ernst“ zu machen und sie in ihre „Heimatländer“ zurückzuschicken. Herbert Kickl hat dazu immer wieder „beeindruckende“ Zahlen vorgelegt. Ein „Plus“ von 46% bei den Abschiebungen, oder eine Gesamtzahl von 4600 Abschiebungen, das seien die stolzen Ergebnisse der „Aktion scharf“. Der Beifall der Krawallblätter und Hetzblogs im Netz war und ist der Bundesregierung sicher. Und Krone, oe24 und heute geben der Bundesregierung jeden Tag nicht nur Streicheleinheiten mit sondern den Auftrag mit auf den Weg: „Es gibt noch viel zu tun.“ Die Proteste dagegen, nicht zuletzt in Vorarlberg, scheinen irgendwie auf zynische Weise schon miteinkalkuliert zu sein. Dienen sie den Scharfmachern doch gerade als Beweis dafür, wie richtig man liegt, mit dieser „Aktion scharf“.

Die Zahlen, mit denen Kickl bei seinen Pressekonferenzen um sich wirft, oder die er dem Boulevard schon vorzeitig zuspielt, sind freilich immer ein wenig unscharf. Man weiß nie so recht, wer oder was damit genau gemeint ist. Welche Ausreisen, wohin, und wer überhaupt? Und das hat offenbar Methode. Denn nun hat der ORF mal ein wenig genauer nachgefragt. Und siehe da: die Mehrzahl der Abschiebungen (nämlich 2900) betreffen gar nicht Asylwerber, sondern EU-Bürger und andere Europäer, allen voran Menschen aus der Slowakei. Auf Platz 5 kommen Menschen aus Nigeria, und schließlich auf Platz 8 Afghanistan mit 190 Flüchtlingen. Die werden nach Kabul geflogen, wo viele von ihnen noch nie in ihrem Leben waren. Und die meisten von ihnen fliehen wieder dorthin, wo sie schon vor ihrer Flucht nach Europa als Flüchtlinge gelebt haben: nach Pakistan oder den Iran. Viele von ihnen haben dort schon als minderjährige als Arbeitssklaven auf dem Bau vegetiert. Dorthin schickt man sie nun zurück. In Wirklichkeit ein Pfurz für die Statistik, nicht brauchbar für die Propaganda, keine Rettung unserer Staatsfinanzen, nichts weiter als eine „kleine“ Bosheit am Rande der Geschichte, aber für jeden einzelnen dieser Menschen eine große Tragödie. Sie und ihre Tragödie werden gebraucht als Drohkulisse gegenüber denen, die man auf diese Weise verjagen will. Und deswegen prahlt man auch mit aufgeblasenen Zahlen.

Diejenigen die es trifft, dass sind dann meist die, die sich integrieren wollen, sind die, die eine Lehre machen, die, deren man habhaft werden kann, weil sie inzwischen einen festen Wohnsitz haben, sind Menschen, die trotz allem Druck nicht in die Illegalität abtauchen, die nicht in ein anderes europäisches Land fliehen, die einfach nur ein menschenwürdiges Leben wollen.

Irgendwann wird einmal jemand kommen, der diese Geschichte schreibt, eine böse Satire auf einen tödlichen Treppenwitz der Historie. Oder eine noch bösere Satire auf all die Täuschungsmanöver am Beginn der wirklich großen Bosheiten.

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