6. März 2019: Über die Bande spielen. Oder: Ein Fest für den Vizekanzler

türkisblaue Fußballkunde: Über die Bande spielen

Man hat in letzter Zeit so wenig von unserem Vizekanzler gehört. Dabei ist der Papamonat doch schon eine Weile vorbei, oder?  Aber jetzt ist er wieder in Form. Ein Fest, für ihn und seine Anhänger: In Österreich wird über einen Feiertag gestritten. Und natürlich kann man in Österreich über nichts mehr streiten, ohne dass es um Muslime und Juden geht. Und die Rollen sind einmal mehr festgelegt. Schauen wir uns das einmal genauer an.

Es geht um den Karfreitag, den höchsten protestantischen Feiertag im Jahr. In einem traditionell katholischen Land, in dem Protestanten einst gewaltsam verfolgt und vertrieben wurden, war das einst hart erstritten. Der europäische Gerichtshof hat nun entscheiden, dass die geltende Regelung gegen europäisches Recht verstößt. Dass nur Protestanten, Altkatholiken und Methodisten an diesem Tag frei haben, verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz. Man könnte nun meinen, in Österreich würde man nun einen variablen Feiertag einführen, über den Angehörige verschiedener Religionsgemeinschaften selbst entscheiden könnten, um Gleichheit herzustellen. Aber nein, weit gefehlt. Der Karfreitag als Feiertag wird nun durch die österreichische Bundesregierung einfach ganz abgeschafft. Auch so kann man „Gleichheit“ herstellen. Sollen halt alle katholisch werden. Aber natürlich gibt es Ausnahmen, die man auch gleich genüsslich zitiert. Uns Juden, die man neuerdings so sehr liebt, wie man die „anderen Fremden“ verachten darf, wir dürfen unseren Jom Kippur behalten, der ebenfalls durch eine Generalkollektivvertrag von 1953 gesichert ist.

Die Muslime haben bislang keinen Anspruch auf irgendeinen Feiertag. Und das soll auch so bleiben. Und damit wir uns richtig verstehen: Vizekanzler Strache hat nun in einem Interview für Oe24 auch öffentlich die Katze aus dem Sack gelassen. Man hat den Evangelischen den Feiertag weggenommen, DAMIT man den Muslimen keinen geben muss. Denn das wäre ja noch schöner. Wo kämen wir dahin.

Wir Juden werden hingegen ganz nebenbei wieder einmal als „unantastbar“ vorgeführt, von genau denen, die um antisemitische Pointen und Manschettenknöpfe sonst nicht verlegen sind. So kann man den Ball auch über die Bande spielen. Man spielt den Judenfreund und erreicht das gleiche: „Ja, ja, die Juden bekommen eben wieder eine Extrawurst gebraten“ – jedenfalls solange keiner das Naheliegende tut und wieder den Klageweg beschreitet (und damit in Kauf nimmt, als „Antisemit“ beschimpft zu werden). Wenn das Ganze dann vor Gericht kommt, dann stürzt dieser Schnellschuss der österreichischen Regierung in sich zusammen, wie ein Kartenhaus. Und schuld daran sind am Ende: „die Linken“ (die Arbeiterkammer) und „die Muslime“, die unsere Regierung dann einmal wieder als die wahren „Antisemiten“ entlarven wird. So funktioniert die Politik in Österreich.

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