1. April 2019: April, April

Eigentlich haben wir es uns doch gedacht. Der Brexit war ein böser Aprilscherz. Es war alles so gut geplant: am 28. März 2019 sollte Großbritannien aus der Europäischen Union ausgetreten sein. Um dann am 1. April der erstaunten Öffentlichkeit die Aktualität des britischen Humors zu demonstrieren. Und dafür zu sorgen, dass endlich wieder alle den Wert Britanniens für die Union erkennen. April, April, wir wollten einfach mal schauen, ob ihr uns wirklich glaubt, dass wir uns von den Klippen bei Dover stürzen werden und versuchen bis nach Amerika zu schwimmen, damit uns wenigstens dort jemand so liebt wie wir sind. Nachdem sich John Cleese von der Komikertruppe Monty Python letztes Jahr in Wien in einem Interview vollmundig als Brexeteer bekannt hatte, hätte doch für jeden Kenner der britischen Comedy Szene schon alles klar sein müssen.

Und jetzt hat Theresa May alles vermasselt. Offenbar hat ihr keiner Bescheid gesagt. Und sie, die doch bei der Volksabstimmung arglos für „Remain“ gestimmt hatte, hat das mit dem Brexit ernst genommen. Ja, wir hätten es schon merken müssen, als sie keine Erklärung dafür hatte, was ein „Brexit“ eigentlich ist. Und zu der Nonsenserklärung greifen musste: „Brexit means Brexit“. Ein „Brexit“ ist eben, na was wohl, ein „Brexit“, was sonst. Genauer können wir es eben auch nicht sagen. Und so nahm der Aprilscherz seinen Weg in die Realität. Hunderte von EU Diplomaten mussten sich mit Theresa May gemeinsam Gedanken darüber machen, wie dieses Rätsel zu lösen sei. Und einen Plan erarbeiten, einen „Deal“, wie es heute auf „Trumpish“, diesem neuen nordamerikanischen Dialekt heißt, den man auch in Europa immer besser beherrscht.

Über den Deal hat das britische Parlament nun zum dritten Mal abgestimmt, ohne dass die Mitglieder des Londoner Unterhauses zu irgendeiner Entscheidung gekommen wären. Auch über alle möglichen Alternativen wurde abgestimmt, für die es selbstverständlich auch keine Mehrheit gibt. Auch das ist nur logisch, denn wie sagte schon Karl Kraus in hellsichtiger Erwartung: „Es gibt Dinge, die sind so falsch, dass noch nicht einmal das absolute Gegenteil richtig ist.“

Aber nachdem sich nun alle viel zu tief in diesen Aprilscherz verrannt haben, weiß keiner mehr, wie dort hinauszukommen ist. Die einen wollen in der EU bleiben, die anderen ganz austreten und nach Amerika schwimmen, und die dritten wollen zwar von der Klippe gehen aber sich dann doch mit beiden Händen am Rand festhalten und irgendeine Art von Zollunion eingehen, oder jedenfalls diese Rettungsleine irgendwie in Griffweite behalten. Denn bis auf die nordirischen Fundamentalisten und ihre Freunde will eigentlich keiner den Bürgerkrieg auf der irischen Insel und die katholischen (oder wahlweise auch protestantischen) Bombenattentate in London wiederhaben. Die erste Autobombe ist ohnehin schon wieder hochgegangen, in Londonderry. Und viele alte Krieger auf beiden Seiten warten schon darauf, endlich wieder loszulegen. Wozu braucht man islamischen Terror, das kann man doch selber viel besser.

Nun hat Theresa May zum Äußersten gegriffen, zu einer absurdistischen Drohung, die ebenfalls nur in einem Monty Python Plot denkbar ist: sie hat in Aussicht gestellt, zurückzutreten, wenn das Parlament endlich tut, was sie sagt. Spätestens jetzt ist offensichtlich, dass sie offenbar die einzige ist, die man immer noch nicht eingeweiht hat.

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