29. April 2019: Outsourcing statt Rechtsextremismus

Zu unserem Glück verfügt die Bundesregierung über einen kompetenten Experten in Sachen Rechtsextremismus, der an diesem Wochenende die österreichische Öffentlichkeit aufgeklärt hat. Vizekanzler und Wehrsportminister Strache ist um eine klare Definition nicht verlegen. Rechtsextremismus besteht im Versuch eines gewaltsamen Umsturzes. Rechtsextreme Ideologie hingegen ist völlig okay. „Nur dort, wo jemand versucht, seine politischen Ziele mit Gewalt durchzusetzen, handelt es sich um Rechtsextremismus, der selbstverständlich in einer Demokratie nichts verloren hat,“ so Strache in seinem jüngsten Interview in der „Krone“ am Sonntag.

Wie gut dass wir nun wissen, dass auch der Nationalsozialismus vom Vorwurf rechtsextremer Umtriebe freizusprechen ist. Schließlich ist er durch Wahlen und Koalitionsvereinbarungen an die Macht gekommen, und hat seine Verbrechen von „Schutzhaft“ bis „Ausschaffung“ zumeist mit Verordnungen und Gesetzen gedeckt, ganz nach dem Grundsatz „Recht muss Politik folgen, nicht die Politik dem Recht.“ Na ja, ein bissel Drohung mit gewaltbereiten Verbänden wie der SA war auch schon dabei. Wehrsport halt. Aber das hat der Vizekanzler biografisch hinter sich. Ganz ehrlich.

Gegen den von ihm und den „widerwärtigen“ Identitären (so Kanzler Kurz) wortgleich beschworenen „Bevölkerungsaustausch“, also gegen Zuwanderung, will er jedenfalls mit friedlichen Mitteln „kämpfen“. Der libyschen Küstenwache und den Sklavenlagern in Nordafrika zum Beispiel? Das wäre dann wirklich zeitgemäß: „outsourcing“.