3. Mai 2019: Verbindung, schlagend

Eigenwillige Nachrichten im ORF, und das auf nüchternen Magen vor dem Frühstück: Das Bundesheer installiert Verbindungsoffiziere in Ministerien.

Der Oberbefehlshaber des Heeres, Bundespräsident Van der Bellen, weiß davon nichts. Aber dafür der blaue Verteidigungsminister Mario Kunasek. Eine entsprechende Stelle gäbe es jetzt im Finanzministerium, im Innenministerium, im Bildungsministerium, im Infrastrukturministerium und im Büro von Vizekanzler Strache. Die Meldung, ein Verbindungsoffizier sei auch im Kanzleramt installiert, wurde hingegen von Kunasek dementiert.

Verbindungsoffiziere würde es aber bald in allen Ressorts geben. Manchmal auch nebenberuflich. Der Verbindungsoffizier im Finanzministerium sei z.B. der Kabinettschef von Staatsekretär Hubert Fuchs (FPÖ).

Auf die Frage, was diese Leute denn dort machen würden, kam aus dem Verteidigungsministerium eine originelle, ja fast schon humorvolle Antwort: „Es gehöre zu den Kernaufgaben des Bundesheeres, Verbindungen herzustellen und informiert zu sein.“ Das gehöre zur „umfassenden Landesverteidigung“, so Bundesheersprecher Michael Bauer. Das Ganze sei doch eine „Serviceleistung“, wenn etwa der Unterrichtsminister eine „Zuarbeit bei der geistigen Landesverteidigung“ brauche, könne er direkt auf die Expertise zugreifen.

Ich versuche mir vorzustellen, was das heißt. „Identitäre“ könnten im Heimatkundeunterricht Bevölkerungstausch-Aufklärung anbieten, oder?

Bildungsminister Heinz Faßmann zeigt sich über die neue Kraft in seinem Ministerium auf Anfrage überrascht. „Konkret wissen wir im Haus nichts davon.“ Einen Verbindungsoffizier im Bildungsministerium gäbe es nicht. Vielleicht ist Faßmann aber auch einfach nur schlecht informiert, oder im entscheidenden Moment falsch verbunden gewesen.

Nun installiert das schlagende Verbindungsministerium (vulgo „Verteidigungsministerium“) also ein eigenes Spitzelnetzwerk quer durch die anderen Ressorts. Damit man zumindest im Hause Kunasek/Strache/Kickl immer gut informiert ist. Das Ganze ist eine Idee von Generalsekretär Baumann, der früher für das Heeresnachrichtenamt tätig war und inzwischen engster Berater des Ministers ist.

Dafür gibt’s im Bundesheer offenbar Geld und Manpower genug. Und der Kanzler ist mit seinen „Reformen“ beschäftigt. Frechheit siegt.