18. Mai 2019: Und der Kurz geht um die Ecke

Eigentlich wollte ich mich heute noch den offensichtlich guten Beziehungen zwischen dem österreichischen Innenministerium und dem Chef der österreichischen Identitären widmen. Jetzt mach ich das nur noch fürs Protokoll. Und warte wie alle anderen auch darauf, wann der Kanzler vor die Presse tritt und erklärt er habe mit alldem nichts zu tun. Nicht mit den von ihm ins Bett geholten Kriminellen, nichts mit den von ihm ins Amt gesetzten Chefs aller Österreicher in Uniform, nichts mit den zynischen Witzen mit „Ausreisezentren“ und „vor Ali sicheren E-Cards“. Er wird sich feiern lassen, weil er mit eigentlich überhaupt nichts etwas zu tun hat.

Über die Hausdurchsuchung bei Identitären-Chef Martin Sellner wurden in den letzten Tagen immer mehr interessante Details bekannt. Aber wie es aussieht wird vielleicht nicht nur der Vizekanzler sondern auch der kurze Chef des Innenministeriums bald in den Sonnenuntergang reiten.

Hier in gebotener Knappheit die Details. Es gibt heute ja wichtigeres, nämlich die Frage, mit welchen geschliffenen Worten sich Kanzler Kurz als Saubermann der Nation präsentieren wird, der vollkommen überrascht ist, mit wem er da 500 Tage lang gekuschelt hat.

41 Minuten vor der Hausdurchsuchung löschte Martin Sellner seinen Mailwechsel mit dem Mörder von Christchurch, und macht, von einigen jedenfalls, von anderen vielleicht auch nicht, Screenshots. Martin Sellner (30) bedankte sich bei Brenton Tarrant für die Spende über 1.500 Euro. Brenton Tarrant antwortete, dies sei nur eine kleine Summe angesichts dessen, was Sellner leiste.  Dieser wiederum schrieb nach Neuseeland zurück: „Das gibt mir wirklich Energie und Motivation“ und beendete das Mail mit: „Wenn Du mal nach Wien kommst, müssen wir einen Kaffee oder ein Bier trinken gehen“.

Aber die Beamten waren sich offenbar nicht sicher, ob Sellner mit dem Aufräumen schon fertig war, als sie höflich bei ihm anklopften.

So seien die Beamten, heißt es, zwar um 13 Uhr vor Ort gewesen, jedoch hätte es auf das Betätigen der Klingel, „die ohne Funktion zu sein scheint“, keine Reaktion gegeben. Mehrmals haben sie geklopft, aber betreten habe man die Behausung nicht zeitnah, obwohl „vermeintliche Geräusche aus dem Wohnungsinneren vernommen“ wurden. Nach fast einer Viertelstunde habe Martin Sellner dann die Tür geöffnet. Man lässt ja Gäste nicht in eine unaufgeräumte Wohnung.

Unter den Spendern an Martin Sellner und seine rechtsradikale Truppe war im Übrigen auch ein Kabinettsmitarbeiter von Sozialministerin Hartinger-Klein. Aber auch die wird sich nun für ihre Bosheiten wohl eine neue Plattform suchen müssen.

Uns bleibt Herr Kurz, „der von allem nichts gewusst“. Bleibt die Frage, ob der junge Mann endlich sein Studium beendet und sich eine ordentliche Arbeit sucht. Oder weiter macht wie bisher.

Dann wird man uns irgendwann mit einer zeitgemäßen Interpretation des Liedes von Mackie Messer beglücken.

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