14. Juni 2019: Papamonat 2.0

Hofer und Strache haben ein ernstes Gespräch miteinander geführt. Und nun darf man sich auf einen Deal der besonderen Art gefasst machen. Der Deal hat einen Namen: Philippa. Man kann es auch einen ausgedehnten „Papamonat“ nennen.

Kurz noch einmal, bevor wir es endgültig vergessen: Der Versuch, den Staat Österreich, seine Presse, sein Parlament, seinen Straßenbau und was weiß ich noch alles an eine russische Oligarchin zu verkaufen, um im Gegenzug an die Macht zu kommen, all das ist in diesem Land offenkundig kein Grund mehr, eine politische Karriere zu beenden.

Rechtsradikale haben mit einer Vorzugsstimmenkampagne bei der Europawahl dafür gesorgt, dass HC Strache im Spiel bleibt. Das ist wahre Treue, so wahr, dass sie sogar Straches „Distanzierung“ von den Identitären und die nachfolgenden wechselseitigen Beschimpfungen locker überlebt hat.

Nun darf Strache damit kokettieren, ins Europaparlament einzuziehen – um die „rechtsnationale“ Fraktion zu verstärken (die bei der Wahl ja deutlich unter ihren eigenen Erwartungen geblieben war). Und über eine Kandidatur in Wien darf auch schon wieder spekuliert werden. So hält man sich im Gespräch. Die 800.000 Facebookfreunde behält man da auch lieber im Privatbesitz. Die kann man nämlich immer brauchen. Auch wenn die FPÖ sie bezahlt hat.

Angeblich ist das der FPÖ alles unangenehm. Dafür gäbe es auch Gründe. Wenn die FPÖ nicht die FPÖ wäre. Beim Versuch diese Abgründe zu ergründen, bekommt man doch niemals festen Boden unter die nassen Füße.

Die FPÖ hingegen schwimmt weiter oben. Es ist ihren Wählern nämlich egal, was die da unter Wasser treiben.

Wenn der nun zum Kopf einer „Bewegung“ mutierte Altkanzler sich von manchen dafür feiern ließ, die FPÖ gezähmt zu haben, so ist in dieser Hinsicht der Lack wohl endgültig ab. Altinnenminister Kickl hat Herrn Kurz schon leutselig ausgerichtet, dass er unter ihm auch wieder Kanzler werden dürfe. Kaum jemand den ich kenne, würde im Moment wirklich ausschließen, dass es nicht genau darauf wieder hinausläuft.

Herr Strache hingegen berät sich mit Herrn Hofer, wie man die Dinge weiter in der Schwebe halten kann. Schließlich sei ja auch bis heute noch nicht aufgeklärt, wie das Ibiza-Video entstanden sei. Als ob das irgendjemand wirklich interessieren würde. Am wenigsten jedenfalls die FPÖ, die sich nicht darauf festlegen lassen möchte, an welche Verschwörung die Leute glauben sollen. War’s der Silberstein oder der Mossad, die SPÖ oder die Grünen, der Böhmermann oder der Wolf, ja gar der Kurz selbst? Oder doch die russisch-österreichische Regisseurin Elena Tikhonova, die ein paar der Dialoge aus der Villa auf Ibiza ja offenbar schon vor Monaten in ihrem ersten Spielfilm „Kaviar“ verwendet hat, der gerade in die Kinos kommt?

Für die Zeit bis wirklich alles vergessen ist, haben sich Strache und Hofer, so hört man, nun eine originelle Zwischenlösung ausgedacht. Strache verzichtet auf sein Mandat in Brüssel und seine Frau Philippa darf für ihn in den Nationalrat einziehen.

Selbst für „Vorstadtweiber“ oder absurde Komödien wie „Kaviar“ wäre das denn doch wahrscheinlich ein zu absurder Plot, um beim Publikum durchzugehen.

Aber in den österreichischen Nachrichten ist so eine Meldung absolut glaubhaft. Wer in Zukunft hierzulande noch halbwegs in der Realität leben möchte, sollte das Kino möglichst nicht mehr verlassen.

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